Ukrainische Behörden haben nach einem Liveblog-Bericht 167 Menschen aus der Region Cherson evakuiert, während Flüchtlinge aus der zerstörten Stadt Oleschky in der Ukraine eintrafen. Die Evakuierung sei als nahezu abgeschlossen bezeichnet worden. Ein Waffenstillstand in und um Oleschky habe seit Dienstagmorgen gehalten und sollte bis Sonntag dauern. Die ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Lubinez sagte, die Erfahrung in Oleschky und die gemeinsame Arbeit mit der russischen Menschenrechtsbeauftragten Yana Lantratova zeigten, dass solche Vereinbarungen Menschen wirklich helfen könnten. Lantratova bedankte sich bei Melania Trump für die Vermittlung des Waffenstillstands und die Organisation des Prozesses und sagte, es habe keine Zwischenfälle oder Störungen gegeben. Sie fügte hinzu, dass auch Menschen, die sich nicht registriert hätten und sich kurzfristig entschieden hätten, ausreisen durften, und dass russische und ukrainische Ombudsleute den Prozess gemeinsam überwacht hätten. Für Haustiere habe es einen separaten Transport gegeben.

Die Berichte über die Evakuierung nannten unterschiedliche Zahlen. Für die Evakuierung des Vortages aus Oleschky gab es keine konkrete Zahl; Berichten zufolge verließen mehr als 200 Menschen die Stadt in der von Russland annektierten Region Cherson in Richtung Ukraine, während Dutzende sich entschieden, in von Russland kontrollierte Gebiete zu gehen. Den Bewohnern sei die Wahl gegeben worden, die zerstörte Stadt zu verlassen oder zu bleiben. Dutzende Flüchtlinge seien vorübergehend in Simferopol auf der annektierten Halbinsel Krim untergebracht worden, bevor sie ihre Reise fortsetzten, und in Oleschky könnten noch mehr als 1.000 Menschen leben, das von der Außenwelt abgeschnitten sei. Der ukrainische Unterhändler David Arakhamia sagte, eine Gruppe mit Bewohnern von Oleschky sei in die russische Schwarzmeerstadt Anapa aufgebrochen; von dort würden sie nach Belarus fliegen und dann mit dem Bus nach Hause reisen. Belarus meldete, Flüchtlinge aus Oleschky seien angekommen, und Russland erklärte, Flüchtlinge aus Oleschky seien auf dem Weg in die Ukraine ausgeflogen worden.

Laut dem Bericht war Selenskyj bereit, Putin in der Türkei zu treffen. Er dankte dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für Unterstützung im Energiesektor. Erdogan nannte Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer unannehmbar, unabhängig davon, wer sie ausführe, und sagte, er und Selenskyj hätten über Sicherheit der Schifffahrt gesprochen. Erdogan sagte, er werde Gespräche zu diesem Thema mit allen Seiten fortsetzen.

Steinmeier sagte, Xi Jinping habe Irritation gezeigt, als er nach einem möglichen Ukraine-Gipfel gefragt worden sei, und habe zu verstehen gegeben, dass keine Vorbereitung für ein Treffen mit den Vereinigten Staaten, Russland und China im Gange sei. Steinmeier sagte, Xi habe betont, es handele sich um einen europäischen Konflikt, bei dem Europäer am Tisch sitzen müssten. Steinmeier, der Xi am Freitag in Peking getroffen habe und seitdem nach Berlin zurückgekehrt sei, sprach von der Irritation, die auf Xis Gesicht sichtbar gewesen sei. Die Äußerungen folgten Berichten über einen möglichen dreiseitigen Gipfel am Rande der Konferenz der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftskooperation Mitte November. Putin hatte ein solches Treffen vorgeschlagen, um über nukleare Abrüstung zu sprechen, und Trump hatte sich dafür offen gezeigt und gesagt, er werde auch andere Themen wie die Ukraine zur Sprache bringen.

Moskau meldete einen Drohnenangriff auf Industrieunternehmen, während ukrainische Medien einen Angriff auf die Ölraffinerie Kstowo meldeten, die als eine der größten Raffinerien Russlands zur Herstellung von Kraft- und Schmierstoffen beschrieben wurde. Die Ukraine erklärte, ein russisches Werk zur Herstellung von Raketentreibstoff im Süden Russlands sei bei einer Operation mit Drohnen und ukrainischen Neptune-Raketensystemen beschädigt worden. Die Anlage sei laut dem Bericht wichtig für Russlands Kriegsanstrengungen, weil sie Treibstoff für militärische Raketen produziere. Russland erklärte, bei Drohnenangriffen seien zwei Menschen getötet worden.

Selenskyj sagte, russische Angriffe hätten massive Stromausfälle verursacht. In den Regionen Kiew und Dnipropetrowsk sei die Stromversorgung für rund 280.000 Haushalte unterbrochen worden. Er beschrieb die Lage als schwierig und sagte, die Welt könne täglich sehen, dass Russland gezielt zivile Infrastruktur angreife. Er argumentierte, jeder, der verhindern wolle, dass sich die russische Eskalation weiter nach Europa ausbreite, müsse der Ukraine helfen. Laut Selenskyj unterbrachen weitere russische Angriffe wiederholt Reparaturarbeiten und verursachten neue Ausfälle; er sagte, Russland habe im Energiesektor keinen Schritt zur Deeskalation unternommen.

Das US-Außenministerium genehmigte eine Patriot-Lieferung an die Ukraine, doch die Raketen müssen noch produziert werden, und eine Lieferung wurde erst in den 2030er-Jahren erwartet. Eine mit der Entscheidung vertraute Person sagte, das ukrainische Verteidigungsministerium dränge das Pentagon, die Lieferung vorzuziehen. Eine Option wäre, dass Kiew Raketen aus dem US-Arsenal erhalte, das später mit neuen Abfangraketen aufgefüllt würde. Selenskyj hatte zu Beginn der Woche gesagt, sein Land habe fast einen Monat auf die Genehmigung von Raketenlieferungen gewartet, während russische Angriffe auf die Infrastruktur zugenommen hätten, und er habe die Vereinigten Staaten wiederholt gedrängt, die Lieferungen vor dem Winter zu beschleunigen.

Selenskyj sagte außerdem, die Ukraine erweitere ihre Fähigkeiten mit Langstreckendrohnen. Er berichtete auf Facebook, russische Einrichtungen von der Jamal-Halbinsel bis tief nach Westsibirien lägen nun in Reichweite ukrainischer Langstreckendrohnen. Er kündigte eine Ausweitung der Langstreckeneinheiten an und nannte die ukrainischen Langstreckenfähigkeiten eine der echten Garantien für die Unabhängigkeit des Landes in dem Krieg; sie würden nach dem Krieg eine langfristige Sicherheitsgarantie bleiben.

Quellen: FAZ.