Deutschlands Integrationsbeauftragte Natalie Pawlik von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) hat davor gewarnt, nach den jüngsten Unruhen ganze Gruppen zu etikettieren. Die Täter als „Unruhestifter aus dem migrantischen Milieu“ zu bezeichnen, sei zu pauschal, sagte sie, betonte jedoch zugleich, dass die polizeilichen Ermittlungen zu der beteiligten Gruppe fortgesetzt werden sollten.
Pawlik argumentierte, die Diskussion sollte sich darauf konzentrieren, was junge Menschen dazu bringt, Gewalttaten zu begehen. Sie verwies auf Faktoren wie mangelnde Perspektiven, Armut und das soziale Umfeld und sagte, Präventionsmaßnahmen müssten junge Menschen wirksamer erreichen. „Niemand wird gewalttätig geboren“, sagte sie.
Wenn man sich auf den Migrationshintergrund der Täter statt auf die konkreten Ursachen der Gewalt konzentriere, werde das Problem nicht angegangen, sagte sie. Pawlik räumte auch Integrationsschwierigkeiten in Teilen der Gesellschaft ein und forderte eine Debatte über die Erziehung junger Menschen, ihre Perspektiven und ihren Zugang zu Bildung sowie über die Rolle sozialer Medien bei ihrer Prägung.
Die Verantwortlichen für Gewalttaten sollten rechtsstaatlich bestraft werden, sagte sie. Daneben forderte sie Maßnahmen gegen die Schwierigkeiten, mit denen junge Menschen konfrontiert sind, darunter einen fairen Zugang zu Bildung und Arbeit, eine bessere Nachbarschaftspolitik sowie gezielte Jugend- und Präventionsprogramme online und offline.
Pawlik sagte außerdem, manche jungen Männer wüchsen mit Vorstellungen von Männlichkeit auf, durch die Gewalt als Mittel zum Zweck erscheinen könne. Die Gesellschaft sollte sich bemühen, diese jungen Menschen zu erreichen und patriarchale Strukturen anzugehen, auch solche, die innerhalb von Familien geprägt werden, statt ihre Fähigkeit oder Bereitschaft zur Integration aufzugeben.
Im Rahmen ihrer Regierungsaufgabe wolle Pawlik nach eigenen Angaben eine klare Integrationspolitik fördern, die Bildung, Beschäftigung, Wohnraum und Sicherheit berücksichtigt. Sie forderte außerdem, junge Menschen dabei zu unterstützen, die Schule abzuschließen und eine Berufsausbildung aufzunehmen. Als Beispiel nannte sie eine Jugendstrafanstalt in Rockenberg, in der die Insassen Schulabschlüsse erwerben oder eine berufliche Ausbildung absolvieren können.
Quellen: FAZ.