Europäische Deep-Tech-Gründer erklärten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass der Zugang zu Finanzierungen nur ein Teil dessen sei, was nötig ist, um ihren Unternehmen beim Wachstum zu helfen. Bei einer Diskussion in Brüssel sprachen sie auch über Hindernisse durch nationale Vorschriften, die Notwendigkeit stabiler politischer Rahmenbedingungen und den Wettbewerb aus dem Ausland.
Zu ihnen gehörte Reinier Grimbergen, dessen Unternehmen Blue Circle Olefine – einen wichtigen Bestandteil von Kunststoffen – aus biologischen Abfällen statt aus Erdöl herstellen will. Die Pläne für eine große Anlage in Rotterdam stehen, die Produktion soll in fünf Jahren beginnen. Grimbergen sagte, der lange Weg von der Idee bis zu Einnahmen brauche politische Unterstützung.
Bolt-Gründer Markus Villig argumentierte, dass unterschiedliche nationale Vorschriften es Unternehmen erschwerten, in ganz Europa zu expandieren. Er forderte einen einheitlich regulierten Binnenmarkt und warnte, fragmentierte Anforderungen könnten US-Technologieunternehmen begünstigen, die über die nötigen Mittel verfügen, um sich an mehrere nationale Systeme anzupassen.
CarbonX-Gründerin Daniela Sordi sagte, ihr Unternehmen, das Graphit für Batterien von Elektroautos herstellt, stehe im Wettbewerb mit China. CarbonX bereite die Produktion in Europa vor, benötige dafür aber Unterstützung. Der Artikel zufolge enthält der Entwurf des Industrial Accelerator Act derzeit keine verbindliche Quote für im Inland produziertes Graphit.
Lucio Milanese, Mitgründer von Proxima Fusion, forderte einen EU-weiten Rechtsrahmen, der Kernfusion von Kernspaltung und deren hochradioaktivem Abfall unterscheidet. Außerdem lobte er Europas Forschungslandschaft. Er sagte, er sei wegen der Forschungsmöglichkeiten aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt und habe dort einige seiner besten Mitarbeiter rekrutiert.
Von der Leyen verwies auf geplante EU-Finanzierungen, darunter Vorhaben, das Forschungsprogramm Horizon nahezu zu verdoppeln und auf 175 Milliarden Euro aufzustocken sowie einen Wettbewerbsfonds einzurichten, der Programme im Wert von 240 Milliarden Euro bündelt. Die Kommission hat außerdem über einen Scale-up-Fonds 6,5 Milliarden Euro bereitgestellt, der im Juni seine Arbeit aufgenommen hat. Er soll die Lücke zwischen der Finanzierung von Start-ups und einem Börsengang schließen und Investitionen zwischen 30 Millionen und 300 Millionen Euro ermöglichen.
Der Fonds hat bislang Beteiligungen an acht Unternehmen erworben. Proxima Fusion gehört nicht dazu; das Unternehmen hat kürzlich eine Finanzierungsrunde über 650 Millionen Euro abgeschlossen. Milanese sagte, das Unternehmen könne den Fonds dennoch für künftigen Finanzierungsbedarf in Betracht ziehen. Der Fonds wird von EQT verwaltet, während die Kommission weder entscheidet, welche Unternehmen Investitionen erhalten, noch wann Beteiligungen verkauft werden.
Quellen: FAZ.
