Eine Undercover-Ermittlung, die von zwei Journalisten des deutschen Senders NDR durchgeführt wurde, hat zu einem Strafprozess in England geführt, bei dem mehr als ein Dutzend Männer wegen Serienvergewaltigung angeklagt sind. Obwohl die Ermittlungen maßgeblich zur Aufdeckung der Verbrechen beigetragen haben, gab der NDR bekannt, den Bericht vorerst nicht zu veröffentlichen, da gerichtliche Beschränkungen für Berichterstattungen gelten, die das laufende Gerichtsverfahren beeinflussen könnten. Der Sender beabsichtigt, die Ergebnisse zu einem späteren Zeitpunkt freizugeben.
Der Prozess begann am 2. November im Crown Court in Manchester. Der Hauptangeklagte wird beschuldigt, seine Frau über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren wiederholt heimlich zu betäuben und zu vergewaltigen. Er hat sich bereits zu 62 Anklagepunkten schuldig bekannt, darunter mehrere Vergewaltigungen seiner langjährigen Partnerin sowie die Aufzeichnung von Video- und Fotoaufnahmen dieser Übergriffe. Die mutmaßlichen Verbrechen reichen bis ins Jahr 2004 zurück. Im britischen Rechtssystem wird das Urteil von einer zufällig ausgewählten Jury aus zwölf Personen gefällt. Das Gericht befürchtet, dass eine Medienberichterstattung vor dem Prozess die Entscheidungen der Geschworenen beeinflussen könnte.
Die Staatsanwältin Louise Oakley erklärte bei der Verlesung der Anklagepunkte am Montag, dass Undercover-Journalisten im Oktober 2025 eine Chatgruppe in der Messaging-App Telegram infiltrierten. In dieser Gruppe äußerten mehrere Männer ein spezifisches Interesse daran, Sex mit schlafenden oder bewusstlosen Personen zu haben. Vier weitere Männer haben sich bereits wegen Sexualdelikten gegen das Opfer schuldig bekannt. Die Anklage wirft mindestens neun weiteren Männern vor, die Frau ebenfalls vergewaltigt zu haben. Zu den Angeklagten gehören ein Sanitäter und ein Kinderfußballtrainer.
Das Gewaltmuster in diesem Fall weist Ähnlichkeiten mit dem hochkarätigen Prozess gegen Gisèle Pelicot in Frankreich auf, deren Ehemann Dominique Pelicot sie jahrelang betäubte, vergewaltigte und ihre Vergewaltigung durch andere Männer ermöglichte. Im Dezember 2024 sprach ein Strafgericht in Avignon 80 Männer wegen etwa 200 an ihr verübten Vergewaltigungen schuldig. Dominique Pelicot wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, während fünfzig Mitangeklagte Strafen zwischen drei und fünfzehn Jahren erhielten. Ähnliche Fälle mit mehreren Vergewaltigungen wurden auch in Deutschland in diesem Jahr verfolgt, wobei Prozesse in Städten wie Berlin, Aachen, Mannheim, Landau, Stuttgart und Siegen stattfanden.
Quellen: FAZ.