Mehr als 100 Gruppen in ganz Europa beteiligen sich am Freitag und Samstag, dem 6. und 7. November, an koordinierten Protesten gegen Rechenzentren. Die Initiative Stop Dirty Data Centres erklärt, dass die Aktionen gleichzeitig in mindestens neun europäischen Hauptstädten, darunter Berlin, stattfinden werden, und fordert ein sofortiges Moratorium für große Anlagen.
Die Proteste finden statt, während die Europäische Union den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur anstrebt. Der im April 2025 vorgestellte Aktionsplan der Europäischen Kommission für einen KI-Kontinent sieht vor, die Rechenzentrumskapazität in der EU innerhalb von fünf bis sieben Jahren auf mindestens das Dreifache des derzeitigen Niveaus zu steigern.
Lokale und nationale Gruppen haben Bedenken hinsichtlich der Pläne geäußert, den Bau von Rechenzentren zu beschleunigen. Sie hinterfragen, wo Anlagen gebaut werden sollten, welche digitale Technologie benötigt wird und welche Folgen für die Umwelt entstehen könnten. Stop Dirty Data Centres argumentiert, dass große Rechenzentren die Kosten erhöhen, die Abhängigkeit von großen US-Technologieunternehmen und fossilen Brennstoffen vertiefen sowie Demokratie und Klimaziele untergraben können. Diese Einschätzungen stammen von Michelle Thorne, Strategiedirektorin der Green Web Foundation und Mitorganisatorin des Berliner Protests.
Im Berliner Stadtteil Mariendorf wollen Aktivistinnen und Aktivisten am Freitag um 13 Uhr gegen ein geplantes Rechenzentrum demonstrieren. Treffpunkt ist die Lankwitzstraße 45. Am Samstag veranstalten die Umweltorganisation Grüne Liga und die Initiative Nodes of Resistance in Berlin eine bundesweite Konferenz mit dem Titel „Widerstand vernetzen – Rechenzentren verhindern!“
AlgorithmWatch beteiligt sich ebenfalls mit einer E-Mail-Kampagne gegen geplante Lockerungen der Vorschriften für Rechenzentren in einem neuen Energieeffizienzgesetz, über das der Bundestag voraussichtlich bald abstimmen wird. Die Organisation gibt an, dass im Sommer mehr als 160.000 Menschen eine Petition gegen die Pläne unterzeichnet haben und dass sie gemeinsam mit dem Münchner Umweltinstitut mehr als 20.000 E-Mails an Abgeordnete von SPD und CDU/CSU gezählt hat.
Die Kampagne erklärt, der Gesetzentwurf würde die Nachhaltigkeitsanforderungen für Rechenzentren abschwächen. Julian Bothe, Vertreter von AlgorithmWatch, sagte, die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wolle diese Vorschriften noch weiter lockern, als es der Entwurf der Bundesregierung bereits vorsah.
Quellen: netzpolitik.org.
