Gedenkgruppen haben die spanische Zentralregierung aufgefordert, die erhaltenen Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers Lavacolla als Gedenkstätte der Demokratischen Erinnerung auszuweisen. Während der Franco-Diktatur waren in dem Lager mehr als 2.000 Menschen inhaftiert. Laut Historikern, die in den Unterlagen zum Antrag zitiert werden, mussten die Gefangenen unter Überbelegung, Kälte, Hunger, Krankheiten sowie körperlicher und verbaler Gewalt leiden.

Das Lager befand sich in einer ehemaligen Gerberei, etwa drei Kilometer vom Flughafen von Santiago de Compostela entfernt, der heute Lavacolla-Rosalía de Castro heißt. Von 1936 bis weit in die 1940er-Jahre unterhielt das Franco-Regime in Galicien elf Konzentrationslager. Viele der in Lavacolla Festgehaltenen stammten von außerhalb der Region. Gedenkgruppen zufolge sollte damit die Verbindung der Gefangenen zu ihren Unterstützungsnetzwerken unterbrochen werden.

Zu den Inhaftierten gehörten Menschen, die von der Diktatur als Gegner eingestuft wurden, Deserteure, ausländische republikanische Soldaten und Männer, die von Militärgerichten zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Historiker haben außerdem dokumentiert, dass Einwohner nahe gelegener Dörfer, darunter Bama, O Amenal, Vilachá und Arca, versuchten, den Gefangenen zu helfen.

Ab 1940 waren auf dem Gelände neu gebildete Disziplinarbataillone von Arbeitssoldaten untergebracht. Die Angehörigen dieser Einheiten mussten an der Erweiterung der Start- und Landebahnen des Flughafens arbeiten, der zuvor als Flugplatz gedient hatte. Das Regime schloss die Einrichtungen des Lagers um 1945.

Berichte von Überlebenden und amtliche Aufzeichnungen beschreiben die schlechten Bedingungen, darunter unzureichende Beleuchtung, Lehmböden und primitive Systeme zur Abfallentsorgung. Ein Bericht von Manuel Canellas Tapias, dem damaligen Leiter der 81. Division, bezeichnete die hygienischen Verhältnisse in den Einrichtungen als „offenkundig mangelhaft“.

Der Antrag an das Ministerium für Territorialpolitik und Demokratische Erinnerung wurde von den Forscherinnen Alexandra Rose Briere und Rossalía Macías Tarrío vom Colectivo Pipueca angestoßen. Unterstützt wird er von mehreren Kultur-, Geschichts- und Gedenkorganisationen in Galicien sowie zwei Buchhandlungen. Die Gebäude des ehemaligen Lagers werden heute als Hotel und Pilgerherberge genutzt; eine Baracke ist weiterhin geschlossen. Das Gelände liegt am Französischen Weg des Jakobswegs.

Die Regierung hat in Galicien bislang fünf Gedenkstätten der Demokratischen Erinnerung ausgewiesen: die ehemaligen Lager auf der Insel San Simón und in Santo Antón in A Coruña, den Pazo de Meirás, das Campo de Aragón in Ourense, das Provinzgefängnis von Lugo und die Stadt Ferrol.

Quellen: elDiario.es.