Helen Mirren sagt, die Rollen, die sie auswählt, müssten für die Geschichte wesentlich sein – unabhängig davon, ob die Figur mächtig oder machtlos ist. In Hamburg, wo sie für ihr Lebenswerk mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet wurde, sprach die Schauspielerin über ihre Rolle als Schriftstellerin Patricia Highsmith in Anton Corbijns Film „A Talent for Murder“. Laut dem Interviewporträt soll der Film am 5. November in die Kinos kommen.
Mirren sagte, die Darstellung Highsmiths habe eine andere Herausforderung geboten als ihre Verkörperung von Königin Elizabeth II. in „The Queen“. Das Publikum habe bereits eine klare Vorstellung davon gehabt, wie die Monarchin aussah, sprach und sich bewegte, erklärte sie, während die Öffentlichkeit weniger über Highsmiths Aussehen und Stimme wisse. Dennoch arbeitete Mirren daran, die Sprech- und Bewegungsweise der Schriftstellerin nachzuahmen.
Sie beschrieb Highsmith als außergewöhnliche, schwierige und radikale Individualistin, insbesondere in ihren späten Lebensjahren. Auch die Garderobe der Figur sei wichtig gewesen: Mirren sagte, das Kostüm müsse bis ins kleinste Detail stimmen. Schuhe, fügte sie hinzu, beeinflussten, wie eine Schauspielerin gehe und sich bewege, und seien deshalb ein entscheidender Bestandteil der Figurenentwicklung.
Mirren sagte, sie finde Rollen einschüchternd, betrachte diese Angst aber als einen Grund, die Herausforderung anzunehmen. Zur Schauspielerei gehöre auch, bei jeder Arbeit wieder von vorn anzufangen, sagte sie, und mit der Ungewissheit zu leben, welche Angebote künftig kämen und wie ein fertiger Film ausfallen werde.
Die Schauspielerin dachte darüber nach, wie sich die Aussichten von Frauen seit ihrer Jugend verbessert haben. Sie erinnerte sich, dass sie als junge, erfolgreiche Frau keine Kreditkarte auf ihren eigenen Namen bekommen und kein Haus selbstständig kaufen konnte. Ihre Eltern hätten betont, dass sie und ihre Schwester finanziell unabhängig sein sollten – ein Grundsatz, der damals ungewöhnlich gewesen sei.
Heute könnten Mädchen, sagte Mirren, Frauen in Bereichen wie Meeresbiologie, Politik und Technologie arbeiten sehen und sich eine ähnliche Zukunft für sich selbst vorstellen. Als sie jung gewesen sei, hätten Frauen deutlich weniger Möglichkeiten offen gestanden.
Mirren, die für „The Queen“ einen Oscar gewann, sagte, eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk erfülle sie mehr als die Anerkennung für eine einzelne Darbietung. Außerdem beschrieb sie das Älterwerden als unvermeidlich: „Entweder stirbt man jung oder man wird alt“, sagte sie und fügte hinzu, alt zu werden sei weitaus besser, als jung zu sterben.
Quellen: FAZ.