Karibische Aktivisten für Wiedergutmachung haben erklärt, dass Schuldenerlass und Entwicklungshilfe aus dem Vereinigten Königreich keine Reparationen für Jahrhunderte der Sklaverei ersetzen können. Ihre Äußerungen folgten auf den Vorschlag von Premierminister Andy Burnham, strukturierte Gespräche über Sklaverei und Reparationen aufzunehmen. Reparationen selbst schloss er aus und sagte, Großbritannien könne sich entschuldigen.
Burnham schlug Gespräche über eine Neuregelung der Schulden kleinerer Commonwealth-Staaten vor und kündigte für die kommenden drei Jahre 40 Millionen Pfund für wichtige Infrastruktur in der Karibik an. Der ehemalige Premierminister von St. Vincent und den Grenadinen, Ralph Gonsalves, sagte, während sich die Commonwealth-Staats- und Regierungschefs in Antigua versammelten, die Region könne die Vorschläge begrüßen, werde sich aber dagegen wehren, Umschuldungen oder Entwicklungshilfe als Reparationen zu behandeln.
Der Zehn-Punkte-Plan der Karibischen Gemeinschaft für Reparationen fordert einen Schuldenerlass statt einer Umschuldung sowie eine finanzielle Entschädigung. Er vertritt die Auffassung, dass die Schulden ehemaliger Kolonien mit der über Generationen erfolgten kolonialen Ausbeutung zusammenhängen. Gonsalves sagte, Themen wie Bildung, Gesundheit und Klimainfrastruktur kämen zwar im Plan vor, seien aber auch Teil der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Er sagte, Wiedergutmachung umfasse eigenständige Forderungen, darunter ökologische und psychologische Wiederherstellung sowie eine mögliche Rückführung, für die eine gesonderte finanzielle Vereinbarung erforderlich wäre.
Die Labour-Abgeordnete Bell Ribeiro-Addy, die der parteiübergreifenden parlamentarischen Gruppe des Unterhauses für Afrikanische Reparationen vorsitzt, sagte, reparative Gerechtigkeit müsse von der Selbstbestimmung der Betroffenen geprägt sein. Bei der Vorstellung einer weltweiten Reparationskarawane sagte sie, Vereinbarungen müssten gemeinsam mit den geschädigten Gemeinschaften getroffen und dürften ihnen nicht aufgezwungen werden.
Gonsalves warnte, Entwicklungshilfe sei Ermessenssache und dürfe Gespräche über Wiedergutmachung nicht auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung beschränken. Auch Kingsley Abbott, Menschenrechtsanwalt und Direktor des Institute of Commonwealth Studies der University of London, sagte, die betroffenen Gemeinschaften sollten bestimmen, worum es bei Reparationen gehe. Er betonte, wie wichtig es sei, auf ihre Erfahrungen und ihre Forderungen nach Gerechtigkeit zu hören.
Ein Sprecher des Foreign Office sagte, die Regierung wolle die Beziehungen innerhalb des Commonwealth stärken, indem sie sich mit der Vergangenheit auseinandersetze und auf eine Zukunft hinarbeite, die von Gleichheit, Sicherheit und Hoffnung geprägt sei. Der Sprecher ergänzte, das Vereinigte Königreich sei entschlossen, mit seinen Partnern im Commonwealth an globalen Schuldenfragen, dem Klimawandel und der wirtschaftlichen Entwicklung zu arbeiten.
Quellen: The Guardian Politics.
