Katja Erfurths neues Werk „Partitur des Körpers“ wird im Festspielhaus Hellerau in drei Teilen aufgeführt, die der israelischen Tänzerin und Choreografin Noa Eshkol gewidmet sind. Erfurth tanzt das eröffnende Solo, gefolgt von einem Trio aus Frauen, während sich der letzte Teil in Stille um ein durchsichtiges Textilobjekt entfaltet, das an Seilen aufgehängt ist.
Das Werk spiegelt Eshkols Bewegungsansatz und ihre Zusammenarbeit mit dem Architekten Avraham Wachman an der Eshkol-Wachman-Bewegungsnotation wider, die erstmals 1958 veröffentlicht wurde. Das System betrachtet den Körper als Ensemble von Teilen, die sich nach Regeln bewegen, wobei jeder Teil einem Instrument gleichgesetzt wird.
Zu Beginn tanzt Erfurth zu Paul Ben-Haims 1951 entstandener „Sonata for Solo Violin in G“, die für Yehudi Menuhin geschrieben wurde und auf der Bühne von Florian Mayer gespielt wird. Im Mittelteil treten die Tänzerinnen Amit Abend, Seraphine Detscher und Helena Fernandino auf. Ihre Bewegungen nutzen den Raum durch wechselnde Formationen, darunter ein Dreieck, das von den Körpern der Darstellerinnen nachgezeichnet wird.
Im letzten Teil führen Erfurth und die bildende Künstlerin Sabine Köhler ein gazeartiges Textil an langen roten Schnüren durch die Luft. Der Stoff nimmt wechselnde Formen an und umhüllt an einer Stelle sanft eine Tänzerin. Die Szene greift ein späteres Kapitel von Eshkols Schaffen auf: Nachdem 1973 der Jom-Kippur-Krieg begonnen hatte und ihre Tänzer zum Militärdienst eingezogen worden waren, wandte sie sich Textilcollagen zu, die aus gesammelten, zerschnittenen und sortierten Stoffen und Kleidungsstücken gefertigt wurden. Sie und ihre Mitwirkenden schufen mehr als tausend Wandteppiche und Wandarbeiten, bevor sie 2007 starb.
Die Produktion verknüpft Eshkols Geschichte außerdem mit dem deutschen Tanz. Erfurth wurde an der Palucca Schule ausgebildet und hat mit der Wigman Villa gearbeitet. Palucca war eine Schülerin von Gret Palucca, deren Schule in Dresden Teil des Hintergrunds dieser Linie war; später bildete Palucca Tile Rössler aus, die 1933 nach Tel Aviv emigrierte und unter dem Namen Tehila Ressler zu einer von Eshkols Lehrerinnen wurde. Auch Ben-Haim emigrierte 1933 nach Tel Aviv und änderte dabei seinen Nachnamen von Frankenberger.
Ein aufgenommenes Stück von Helmut Oehring, das für Frauenchor geschrieben wurde, begleitet das Trio; dazu kommen Violineinwürfe von Mayer. Die Produktion ist Teil des ganzjährigen Programms „Tacheles – Jewish Life in Art and Culture“ in Sachsen, das im Dezember endet. Auch die Galerien und der weitläufige Zuschauerraum des Theaters sind Teil der Inszenierung: Erfurth bewegt sich von einer oberen Ebene hinunter zur Bühne, bevor sich die Aufführung zu ihren Solo- und Ensembleteilen entwickelt.
Quellen: FAZ.
