Shanghais neues Grand Opera House wurde im Expo-Park der Stadt am Ufer des Huangpu eröffnet. Das vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta entworfene Gebäude ist wie ein geöffneter Fächer geformt und umfasst drei Säle mit insgesamt mehr als 4.200 Sitzplätzen. Das Foyer zeichnet sich durch hohe Decken, weitläufige Treppen und scharlachrote Säulen aus.

Der Bau dauerte dem Artikel zufolge sechs Jahre und zehn Monate. Die angegebenen Kosten belaufen sich auf 3,9 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 500 Millionen Euro; die Zahlen konnten jedoch nicht unabhängig überprüft werden.

Die Eröffnungsspielzeit wird von internationalen Produktionen geprägt. Die Staatsoper Unter den Linden aus Berlin zeigt „Der Rosenkavalier“, das Mariinski-Theater aus St. Petersburg bringt „Turandot“ und „Aida“ auf die Bühne, und Venedigs La Fenice eröffnete die Spielzeit mit „Tosca“. Die Vorstellungen im Herbst sind bereits seit einiger Zeit ausverkauft.

Das Opernhaus hat kein eigenes festes Ensemble. Sein Direktor Zhang Xiaoding bezeichnete es als einen Ort der Begegnung; das großzügige Foyer eigne sich zudem für Wechselausstellungen. Der Spielbetrieb liegt in der Verantwortung der Stadt, die auch das Grand Theatre am People’s Square betreibt. Gemeinsam mit dem Shanghai International Art Festival arbeiten die Kultureinrichtungen der Stadt zusammen, statt um Publikum zu konkurrieren.

Klassische Oper genießt dem Artikel zufolge in China beträchtliches gesellschaftliches Ansehen. Qian Jin, Professor an der Shanghai International Studies University, sagt, das Publikum sehe die europäische Kunstform als Zeichen hoher Kultur. Im Durchschnitt sei das Publikum außerdem jünger als bei Opernaufführungen in Deutschland. Zu den regelmäßigen Besuchern zählten Berufstätige aus der Stadt und Familien.

Unter den europäischen Opernkomponisten ist Richard Wagner in China besonders beliebt. Seine Werke werden häufig aufgeführt; zu den jüngsten Produktionen zählten der vollständige „Ring des Nibelungen“ in Peking sowie „Der fliegende Holländer“, „Tristan und Isolde“ und „Die Walküre“ in Shanghai. Jiang Linjing, Professorin für Germanistik an der Fudan-Universität, führt Wagners Anziehungskraft auf die emotionalen Themen seiner Werke zurück, darunter Sehnsucht, Treue, Verrat und Opfer, die ihrer Ansicht nach beim chinesischen Publikum Anklang finden können.

Der Artikel zitiert außerdem den Sänger und Gesangsprofessor Christian Gerhaher. Er sagt, das chinesische Publikum höre mit außergewöhnlicher Konzentration zu und tauche tief in die Werke ein. Nach den Vorstellungen leeren sich die großen Säle des Opernhauses, und die Besucher machen sich mit dem Taxi, der U-Bahn oder dem Bus auf den Heimweg.

Quellen: FAZ.