Die Zwischenwahlen sind für den 3. November angesetzt, und die Demokraten geben sich zuversichtlich, das Repräsentantenhaus zu erringen, wo 218 Sitze für eine Mehrheit nötig sind. Die politische Direktorin des Democratic Congressional Campaign Committee, Brooke Butler, hat eine hohe Messlatte angelegt und erklärt, sie erwarte bis zu 240 Sitze. Damit würden die Demokraten die derzeitige Mehrheit der Republikaner in der Kammer klar brechen, in der derzeit vier Sitze vakant sind.

Die Wahlkampforganisation der Demokraten hat ein Programm namens „Red to Blue“ geschaffen, um mehr als 40 Kandidaten zu unterstützen, die in Wahlkreisen antreten, die Donald Trump zwei Jahre zuvor mit mindestens 16 Prozentpunkten Vorsprung vor Kamala Harris gewonnen hat. Das National Republican Congressional Committee hat die Anstrengung zurückgewiesen und erklärt, die Demokraten überdehnten ihre Ressourcen.

Seit Monaten zeigen Umfragen die Demokratische Partei als Siegerin der Wahl. Laut dem Artikel könnten die Demokraten eine knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus sichern, selbst wenn sie keinen der wenigen Wahlkreise gewinnen, die Meinungsforscher als offene Rennen ansehen, vorausgesetzt, dass kein Wahlkreis, der zu den Demokraten neigt, zu den Republikanern kippt.

Der Senat zeigt ein anderes Bild. 35 der 100 Sitze werden in diesem Jahr gewählt. 13 wurden zuvor von Demokraten gehalten, während die Republikaner 22 verteidigen müssen. Umfragen zeigen neun Bundesstaaten als so stark von Demokraten dominiert und 12 als so stark von Republikanern dominiert, dass diese Sitze als sicher gelten. Der härteste Wahlkampf konzentriert sich auf die übrigen Bundesstaaten, insbesondere auf eine Handvoll, in denen Umfragen auf ein nahezu Unentschieden hindeuten. Die Zahl der Bundesstaaten, in denen Trump vor zwei Jahren die Präsidentschaft klar gewann, in denen ein demokratischer Kandidat nun aber realistisch siegen zu können scheint, ist in den vergangenen Wochen gestiegen. Die Demokraten hoffen, auch den Senat zu übernehmen, doch das ist alles andere als sicher.

Daten der Wettplattform Polymarket bieten eine andere Sicht. Ihre Nutzer erwarten, dass die Demokraten eine Mehrheit gewinnen können. Polymarket spiegelt die Ansichten seiner Nutzer wider, eine Form von Schwarmintelligenz, und ihr Vorteil ist die ständige Aktualisierung. Für vier Bundesstaaten, die Meinungsforschungsinstitute als besonders eng ansehen, sind die Daten der Plattform bemerkenswert: Der kleinste Abstand zwischen dem demokratischen und dem republikanischen Kandidaten besteht in Maine, wo die republikanische Senatorin Susan Collins gegenüber dem demokratischen Herausforderer Troy Jackson Boden gutgemacht hat. In Ohio erwarten fast 90 Prozent der Polymarket-Nutzer einen Sieg des Demokraten Sherrod Brown; in Michigan mehr als zwei Drittel und in Alaska etwas mehr als drei Viertel der Nutzer sehen den demokratischen Kandidaten vorn. Ob dies kollektive Weisheit oder eine gemeinsame Fehleinschätzung widerspiegelt, wird die Auszählung entscheiden.

Ein großes Problem für die Republikaner sind Trumps Zustimmungswerte. Sie sind derzeit niedriger als zu jedem Zeitpunkt seiner zweiten Amtszeit und sogar niedriger als während seiner ersten Amtszeit. Nur etwas mehr als 37 Prozent der befragten Amerikaner billigen Trumps Amtsführung, während 60 Prozent sie missbilligen. Während seiner ersten Amtszeit lag seine Zustimmung bei etwa 40 Prozent.

Trump ist die prägende Figur der Republikanischen Partei. Er hat sich in Vorwahlkämpfen für Kandidaten starkgemacht und beabsichtigt, in den kommenden Wochen intensiv Wahlkampf zu machen. Er hat seine Anhänger aufgefordert, so zu handeln, als stünde er ebenfalls auf dem Wahlzettel, damit sie zur Wahl gehen. Als Motivation machte er ein ungewöhnliches Versprechen: Sollten die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern verteidigen, würde die Regierung jedem erwachsenen Amerikaner 5.000 Dollar zahlen.

Doch in umkämpften Bundesstaaten halten einige Republikaner Abstand zu Trump, um nicht von seinen schlechten Zustimmungswerten mit hinuntergezogen zu werden. Eine von ihnen ist Susan Collins, die Maine fast 30 Jahre im Senat vertritt. Sie hat sich als moderate Republikanerin präsentiert und manchmal gegen die Parteilinie gestimmt, obwohl sie selten eine Trump-Initiative blockiert hat. In einem engen Rennen in dem gemäßigten nordöstlichen Staat kann sie sich Hilfe des Präsidenten nicht leisten. Sie blieb auch einem Parteitag in Texas im September fern, vorgeblich aus Termingründen.

Neben den Kongresswahlen in Washington finden in den Bundesstaaten viele weitere Rennen statt. In 36 Bundesstaaten werden neue Gouverneure gewählt. Derzeit haben 26 Bundesstaaten einen republikanischen Gouverneur und 24 einen demokratischen. Enge Rennen gibt es nur in einer Handvoll Bundesstaaten; drei davon werden derzeit von Republikanern und zwei von Demokraten regiert. Die Republikaner sind besonders hoffnungsvoll für Kansas, wo sie realistische Chancen haben, den Demokraten das Gouverneursamt abzunehmen. In den tief republikanischen Bundesstaaten Florida, Nebraska und Texas können sie sich nicht mehr blind darauf verlassen, das höchste Staatsamt zu verteidigen. Die Demokraten wiederum sehen in fünf Bundesstaaten Chancen, einem Republikaner das Gouverneursamt abzunehmen: Arkansas, Georgia, Iowa, Nevada und Ohio.

Quellen: FAZ.