Martin Reinl kreiert und spielt seit Jahrzehnten Puppen für Fernsehen und Bühne. Zu seinen Figuren gehören der Hund Wiwaldi, das Zirkuspferd Horst Pferdinand und die Erdmännchen Jan und Henry. Außerdem gehört er zum deutschen Sesamstraßen-Ensemble, in dem er seit 2012 Elmo und seit 2015 Grobi spielt.
Reinl wurde 1975 in Mainz geboren und sah als Kind neben Sendungen wie Biene Maja und der Muppet Show auch die Sesamstraße. Als Teenager nahm er Sketche mit Ernie und Bert auf VHS auf, hielt den Inhalt der Kassetten aber vor seinen Schulfreunden geheim. Damals wollte er beim Fernsehen und im Bereich Comedy arbeiten, sah das Puppenspiel jedoch zunächst nicht als Beruf an.
Nach seinem Abschluss in Audiovisuellen Medien an der Kunsthochschule für Medien Köln bastelte Reinl 2002 für die WDR-Sendung Zimmer frei! eine Puppe aus einer Toilettenpapierrolle. Er blieb bis zum Ende der Sendung im Jahr 2016 dabei. Die Arbeit verhalf ihm zu einer vielseitigen Fernsehkarriere, zu der auch die Entwicklung von Figuren und Formaten für Kindersender sowie Auftritte in Unterhaltungssendungen gehörten. Seine eigene WDR-Serie The Wiwaldi Show wurde für den Grimme-Preis nominiert.
Die Gelegenheit, bei der Sesamstraße mitzumachen, ergab sich 2008, als der für die Sendung verantwortliche NDR fragte, ob er dabei sein wolle. Reinl sagt, auf diesen Anruf habe er insgeheim seit Jahren gewartet. Die Puppen von Jim Henson bezeichnete er als dauerhafte Inspiration für seine eigenen Kreationen.
Sein neues Buch, Sesame Street: Over, Under and Behind the Scenes, hat er gemeinsam mit seinem Freund Julian Schlichting zusammengestellt. Der illustrierte Band stützt sich auf Material aus den Archiven des Sesame Workshop in New York, des NDR und den Privatsammlungen ehemaliger Mitarbeiter und zeichnet die Geschichte der Sendung nach – von den Anfängen der amerikanischen Sesamstraße in den späten 1960er-Jahren über ihre Geschichte in Deutschland bis hin zu jüngeren Auftritten.
Reinl sagt, die Beliebtheit von Puppen im deutschen Fernsehen habe sich im Laufe der Zeit je nach vorherrschender Stimmung verändert. Die Sesamstraße erfreue sich dagegen in letzter Zeit wieder größerer Aufmerksamkeit. Er verweist auf das Jubiläum der Sendung vor drei Jahren und auf das Interesse Erwachsener, die Sendungen ihrer Kindheit wieder anzusehen. Für ihn liegt der Reiz der Serie auch darin, dass sie Wissen auf indirekte Weise vermittelte: Er erinnert sich vor allem an sie als Sketchshow, durch die er nebenbei das Alphabet lernte.
Quellen: FAZ.