Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König hat die Verantwortung der Stadt für das ehemalige Reichsparteitagsgelände als „nationale Aufgabe“ bezeichnet. Das historische Erbe müsse durch Kultur- und Bildungsarbeit aufgearbeitet werden, argumentierte er. Die Stadt plant, 2028 oder 2029 einen neuen Veranstaltungsort in der Kongresshalle zu eröffnen, mit 800 Sitzplätzen sowie Räumen für künstlerische Arbeit und gemeinschaftliche Nutzung.

König, der nach der diesjährigen Wahl das Kulturreferat der Stadt übernommen hat, sagte, Kultur sei kein optionaler Zusatz, sondern etwas, das die Gesellschaft zusammenhalte. Das Referat umfasst 570 Vollzeitstellen und verfügt über einen Haushalt von 116 Millionen Euro, was 3,8 % der städtischen Ausgaben entspricht. Nürnberg hat für seinen nächsten Gesamthaushalt ein Sparziel von 120 Millionen Euro festgelegt. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Koalitionspartner SPD, um den Beitrag des Kulturreferats zu bestimmen. Freie Kunstgruppen haben bereits gegen mögliche Kürzungen protestiert.

Das Kongresshallenprojekt wird vier Einrichtungen unter einem gemeinsamen Dach zusammenführen. Auf dem Gelände befinden sich bereits das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das vor Kurzem eine neue Dauerausstellung erhalten hat, und die Nürnberger Symphoniker. Geplant sind außerdem der neue Spielort des Staatstheaters sowie „Ermöglichungsräume“, darunter Proberäume, Künstlerateliers und Werkstätten.

König sagte, das Projekt werde ein Theater mit drei Sparten mit der freien Kunstszene und der Kreativwirtschaft verbinden. Die Stadt wolle sich mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzen und die Räume nutzen, um das historische Verständnis zu fördern – auch, indem sie die Ereignisse und Bedingungen erläutert, die zur Katastrophe geführt haben.

Die Investitionen in die Kongresshalle sind auf 360 Millionen Euro gestiegen. König sagte, Nürnberg sei für das Gelände und seine Gebäude verantwortlich geblieben, nachdem die NSDAP 1935 eine Verbindung mit der Stadt eingegangen war. Nach Kriegsende und dem Verbot der Partei blieb die Stadt Eigentümerin.

Der neue Spielort des Staatstheaters entsteht im Innenhof der Kongresshalle. Die Oper, das Ballett und die Staatsphilharmonie des Staatstheaters sollen dorthin umziehen, während das kürzlich renovierte Schauspielhaus am Richard-Wagner-Platz bleiben wird. Das historische Opernhaus soll nach dem Umzug im Jahr 2028 schließen. König sagte, eine Sanierung werde mindestens 15 Jahre lang nicht in Betracht gezogen; als Gründe nannte er den Zustand des Gebäudes und veraltete Brandschutzanlagen. Der Intendant des Staatstheaters, Jens-Daniel Herzog, hat öffentlich Einwände gegen den Plan erhoben.

Laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll in Nürnberg außerdem ein neues Dokumentationszentrum zur rechtsterroristischen Gruppe NSU entstehen. Einzelheiten stehen noch nicht fest. König sagte, die Stadt werde das Vorhaben gemeinsam mit den Familien der Opfer unterstützen, und verwies darauf, dass drei von der Gruppe ermordete Menschen aus Nürnberg stammten.

Die Stadt bereitet sich außerdem auf den 500. Todestag Albrecht Dürers vor, der 2028 begangen wird. König sagte, er wolle die städtischen Ausgaben für die Gedenkveranstaltungen so niedrig wie möglich halten und sprach sich für privates Mäzenatentum aus. Er argumentierte, Haushaltskürzungen dürften die Erholung und das erneute Wachstum des Nürnberger Kulturlebens nicht verhindern.

Quellen: FAZ.