Schaeffler plant, seinen Standort in Schwalbach am Taunus zu schließen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Von den derzeit 385 Beschäftigten am Standort sollen etwa die Hälfte ihre Arbeit in Frankfurt fortsetzen, während rund 190 Arbeitsplätze wegfallen sollen.
Rund 160 Beschäftigte seien bereits an den Frankfurter Standort von Schaeffler gewechselt, sagte Marcel Krems, Vorsitzender des Betriebsrats, der F.A.Z. Andere Mitarbeiter seien erst kürzlich in ein neu angemietetes Gebäude im Gewerbegebiet Am Kronberger Hang in Schwalbach gezogen. Der Mietvertrag laufe bis 2030, doch das Unternehmen plane, den Standort spätestens 2028 zu schließen, so Krems.
Krems sagte, Schaeffler habe einen „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ in die neuen Räumlichkeiten investiert. Michael Erhardt, IG-Metall-Vertreter in Frankfurt, bezeichnete den Schließungsplan als wirtschaftlich irrational. Außerdem sagte er, das Unternehmen habe keine klare Strategie für den Standort vorgelegt, als die Arbeitnehmervertreter am Montag über die Pläne informiert worden seien.
Die Entscheidung zum Umzug fiel vor etwa zwei Jahren, als das Unternehmen noch unter dem Namen Vitesco tätig war. Continental gliederte 2021 seine Antriebssparte unter diesem Namen aus, und Schaeffler übernahm Vitesco 2024. Der Umzug aus den früher gemeinsam genutzten Räumlichkeiten in Schwalbach folgte auf die Ankündigung von Continental, die Stadt zu verlassen. Schaeffler unterzeichnete den Mietvertrag für das neue Gebäude im Frühjahr 2025.
Schaeffler begründete den geplanten Abbau von 2.660 Arbeitsplätzen bundesweit mit den Herausforderungen der Automobilindustrie, darunter die sinkende Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und der langsamer als erwartet verlaufende Hochlauf der Elektromobilität. Als Grund dafür, Stellenkürzungen überproportional in Deutschland zu konzentrieren, nannte das Unternehmen außerdem überdurchschnittliche Personalkosten.
Welche konkreten Stellen in der Rhein-Main-Region wegfallen sollen, sei noch nicht mitgeteilt worden, sagte Krems. Er warnte, dass möglicherweise sowohl Beschäftigte betroffen sein könnten, die bereits nach Frankfurt gewechselt seien, als auch jene, die noch in Schwalbach arbeiteten. Außerdem äußerte er Bedenken, dass es am Frankfurter Standort in Gateway Gardens nicht die Werkstätten und Labore gebe, die viele Beschäftigte benötigten. Rund 300 der 385 Mitarbeiter seien Entwickler, sagte er.
Nach der Übernahme von Vitesco hatte Schaeffler bereits frühere Stellenkürzungen angekündigt; im Rahmen eines Plans zur Realisierung von Synergien wurden 2.800 Stellen überprüft. In Schwalbach seien anschließend 129 Aufhebungsverträge und Vereinbarungen zur Altersteilzeit ausgehandelt worden, sagte Krems. Nun plane das Unternehmen, im Rahmen eines freiwilligen Programms weitere rund 190 Stellen abzubauen. Zudem wolle Schaeffler in anderen europäischen Ländern 800 Stellen streichen.
Eine Schließung würde die verbliebene Präsenz von VDO in Schwalbach beenden. Der in Frankfurt gegründete Zulieferer hatte seinen Hauptsitz in den 1970er-Jahren in die Taunusstadt verlegt. VDO wurde später Teil von Siemens, und Siemens VDO wurde 2007 von Continental übernommen.
Quellen: FAZ.